Thursday, January 20, 2011

Konzertkritik

Fuer den Klavierabend mit Melvin Tan, einen Singapurer Pianisten, der sein Heimatdebuet gab, gab es tatsaechlich noch Karten. So fand ich mich um halb acht im Esplanade ein, der schicken Singapurer Konzerthalle am Ufer der Marina Bay. Tan eroeffnete den Abend mit den Fantasiestuecken op. 12 von Robert Schumann. Dies gelang ihm im Grossen und Ganzen durchaus gut, wenngleich die uebertriebene und eigenwillige Agogik im ruhigen "Des Abends" und das heruntergehastete "Ende vom Lied" (eigentlich "mit gutem Humor" zu spielen) ihm bei mir Minuspunkte einbrachten. Danach das erste Buch der "Images" von Debussy, in denen besonders die "Hommage a Rameau" bei mir Eindruck hinterliess.

Nach dieser ordentlichen ersten Haelfte kam indes nicht mehr viel nach. Die Rezitative am Anfang von Chopins Polonaise-Fantaisie wurden sinn- und zusammenhanglos heruntergespielt, und auch im weiteren Verlauf trug der Kuenstler das Stueck sehr geradlinig und ohne Rubati und Atempausen vor. Was bei den Etudes angehen mag, klappt bei diesem grossartigen Spaetwerk jedoch nicht. Ich hatte zeitweilig Muehe das Stueck zu erkennen und sehnte mich nach meiner Rubinstein-Aufnahme. Gegen Ende fing sich Tan wieder, aber ein schwacher Eindruck bleibt. Auch die h-moll-Sonate des gleichen Komponisten, die den offiziellen Teil des Abends beschloss, litt unter den gleichen Maengeln, wenngleich in geringerem Masse.

Tan wendete sich danach, sichtlich bewegt, wieder in seiner Heimatstadt zu spielen, mit einigen freundlichen Worten ans Publikum und liess bei den (nicht wirklich zum Programm passenden) Zugaben aller guten Dinge drei sein: Chopins F-Dur-Etude op. 10/8, charmant heruntergeschnurrt, ein langsamer Satz aus einer Mozart-Sonate, der in Tans Karriere offenbar eine wichtige Rolle einnahm, und die Revolutionsetude op. 10/12, gespielt mit einem Furor, als wolle er Ludwig XVI. hoechstpersoenlich am naechsten Laternenpfahl aufknuepfen.

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