Monday, March 21, 2011

Umzug (Ende Februar)

Auszug aus einer von mir versandten Email:

> Anderthalb Tage schleppen und schieben liegen hinter mir: der Umzug ist
> geschafft! Es hat sich gelohnt. Das neue Heim ist bedeutend schöner als
> das alte (mehr Licht, größerer Garten, schöne Terrasse, etc.),
> wenngleich nicht frei von einigen Macken. Konkret heißt das Holzdielen
> in allen Räumen außer dem Bad -- so weit, so gut --, aber in einigen
> Räumen (glücklicherweise nicht meinem) befinden sie sich auch an den
> Wänden bis ca. 1,80 Höhe.
>
> Diese Saunaoptik ist ja nicht ganz meins. Man muss allerdings sagen,
> dass aufgrund des reichlich vorhandenen Platzes und der hohen Decken
> (gut 3,00 Meter, mit Stuck) sich aus dem Haus ein richtiges Schmuckstück
> machen ließe. Dazu müsste man "nur" die Handwerker kommen lassen und
> alle deutsche Eiche sowie die Blümchentapeten radikal ausmisten. Dies
> sehe ich allerdings in naher Zukunft nicht passieren, denn meine
> Gastgeber, Sacha und Anna, sind in dieser Hinsicht ein bisschen wie ein
> mir gut bekanntes Paar. Im Ergebnis wurde bei diesem Umzug viel zu wenig -- um die
> Dinge auf den Punkt zu bringen: gar nichts -- weggeschmissen. Entweder
> könnte man dieses oder jenes Teil ja noch irgendwann mal (wann
> eigentlich genau?) brauchen, oder es wurden Familienbande geltend
> gemacht -- wie bei der von Sachas Vater selbst gezimmerten, aber leider
> potthässlichen Wohnzimmercouch.
>
> Insbesondere gab es im alten Haus eine Garage, wo u.a. die Fahrräder
> standen. Dort hat sich auch im Laufe der Jahre allerlei Mobiliar
> angesammelt, das ich bestenfalls (!) als Sperrmüll bezeichnen würde.
> Irgendein Freund ist umgezogen, hatte einen Schrank abzugeben, oder es
> hatten Leute im Internet inseriert, Sachen kostenlos oder für'n Appel
> und n'Ei zum Selbstabholen... Das hat sich dann alles unter tausend
> Spinnweben angesammelt und ist in der leicht feuchten Umgebung fröhlich
> vor sich hin gegärt.
>
> Im neuen Haus gibt es eine solche Garage leider nicht, und Sacha und
> Anna hielten es nicht für nötig, vor dem Unzug den Sperrmüll zu
> bestellen (s.o.). Daher wurde dann ein offenkundig muffiger, vom
> Aufenthalt in der Garage feuchter und auch ansonsten in jeder Hinsicht
> furchtbarer Schrank zunächst einmal in meinem (geräumigen) Zimmer
> abgestellt! Auf meinen Protest hin wurde er allerdings umgehend wieder
> entfernt. Da das Teil selbst beim Hin- und Herschleppen unverkennbar
> duftete, hätte ich es direkt entsorgt... es steht nun im Wohnzimmer.
> Wahrscheinlich weil die Veranda vor dem Haus gebraucht wird, um einen
> anderen, extrem schweren Schrank zu beherbergen, der an einer Seite
> komplett verfault ist. Das passiert eben, wenn man zu geizig ist, zu
> IKEA zu fahren, und sich seine Möbel von Sperrmüll, Marktplatz & Co.
> holt. Habe kein einziges Stück gesehen, das es selbst ein Billy-Regal an
> Eleganz und Charme übertreffen würde... halt, das stimmt nicht ganz, das
> im Übrigen gut gestimmte Klavier ist zwar aus rotbraunem Holz gezimmert,
> hat aber Stil und einen guten Klang.
>
> Wie dem auch sei, Samstag gingen wir also mit einem Anhänger und dem
> Pickup-LKW seiner Eltern, die eine Farm im Outback haben, zur Sache. Ich
> hatte keine Verpflichtung, aber wollte mich nützlich machen, zumal mir
> die beiden auch den einen oder anderen Gefallen getan hatten. Das große
> Umziehen war für den Sonntag vorgesehen, aber wir wollten halt schon mal
> viel Zeug weghaben. Haben die Küche eingepackt, Betten, Kühlschrank und
> Gefriertruhe transportiert, etc. Sacha ist Doktorand der
> Biologie, aber auf einem Bauernhof aufgewachsen (auf dem "immer was zu
> tun" sei) und daher handwerklich geschickt. Voll Vertrauen plante er,
> den Kühlschrank ohne helfende Hand, nur mit dem Trolley, auf die
> Ladefläche des Pickups zu transportieren. Es wurden also ein paar
> Planken schräg zwischen Hauseingang und Ladefläche gelegt, aber das ging
> sich hinten und vorne nicht aus. Dann habe ich mitgeholfen, aber
> trotzdem wäre uns das Ding beinahe abgestürzt. Glücklicherweise war
> Anna
> in der Nähe und wir konnten das Gerät dann zu dritt irgendwie auf die
> Ladefläche bugsieren.
>
> Während Alec (Sachas Stiefvater, netter Typ mit ziemlich
> unverständlichem Outback-Akzent) den Hühnerstall abbaute, schafften wir
> (Sacha, Anna, seine Mutter Judy, ich) zwei Runden. Habe die Küche des
> neuen Hauses mit einer Runde Spaghetti und Bruschetta eingeweiht. Bei
> der letzten Fahrt teilte ich die Rückbank übrigens mit einer
> undefinierten Menge Gepäck, sowie Hund und Katze. Die Menagerie -- die
> Hühner reisten in einem gut verschnürten Pappkarton mit -- überstand
> die
> Fahrt unversehrt, und danach konnte ich mich glücklicherweise aus dem
> Staube machen: Mark Burgman, der Chef der Abteilung, wo ich arbeite,
> hatte zum Dinner geladen. Ich also duschen (Wohltat!), und ab auf dem
> Fahrrad in die Stadt, wo mich ein wirklich tolles Abendessen in
> entspannter Atmosphäre erwartete. Neben Marks Frau und einem
> befreundeten schwulen Paar war noch ein Neffe dabei, der auf ein
> Internat in der Nähe geht und über die väterliche Linie einen deutschen
> Pass hat (aber leider kein Wort Deutsch spricht!). Marks Frau ist von
> Beruf Malerin, eine ziemlich gute m.E., und ich überlege schon, ob ich
> etwas in Auftrag geben soll! Darüber hinaus habe ich von einem der Gäste
> gelernt, dass man nie KLM fliegen darf: albtraumhafte Erfahrung mit
> Notlandung in Neu-Delhi, zwei Tage warten, eingesammelten Pässen
> (illegal!), null Service und Entgegenkommen, etc.
>
> Nach etlichen Gläsern Shiraz und Pinot Noir und einer Runde exzellenten
> australischen Ports machte ich mich dann auf den Heimweg. Legte mich im
> Regen mit dem Fahrrad spektakulär auf die Schnauze, habe aber nur ein
> paar Kratzer am Ellenbogen abbekommen. Dennoch ein gelungener
> Tagesabschlus.
>
> Sonntag konnte ich dann etwas ausschlafen, und habe mit Sachas Eltern
> gefrühstückt. Das war sehr nett, obwohl Du es wohl etwas
> gewöhnungsbedürftig finden wirst, dass niemand daran Anstoß nahm, dass
> sich der Hund auf dem Feldbett der Eltern breitmachte. Sacha und Anna
> waren währenddessen mit drei weitere Freunden mit einem gemieteten LKW
> am Einladen im alten Haus. Das Ausladen selbst ging mehr oder minder
> problemlos ("Ein Klavier! Ein Klavier!" -- "Passt auf, das Ihr keine
> Kratzer in die Türrahmen macht"), dann wurde noch etwas ausgepackt, und
> gegen vier waren wir erst einmal -- und ich definitiv -- fertig. Habe
> mich dann wieder an die (geistige) Arbeit gesetzt, und nachher gab es
> Pizza für die verbliebenen Helfer.
>

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