Wenn man unterwegs in einem „Budget Hotel“ eincheckt, kann das Verschiedenes bedeuten. Eine Option ist das erwähnte „billige Chinesenhotel“, wo man das Zimmer mit Echsen (aber immerhin nicht mit Käfern!) teilt. Eine andere ist die Backpacker-Unterkunft, was es in der versifften, der rustikalen und der gemütlich-gepflegten Variante gibt. Eher selten findet man in dieser Kategorie Hotels, das schon bessere Zeiten gesehen hat, weil man nämlich die besseren Zeiten, egal wie lange sie zurückliegen, gewöhnlich mitbezahlt und es sich somit nicht mehr um ein Budget-Hotel handelt.
Aber keine Regel ohne Ausnahme. Das Hotel Majestic in Ipoh, einer der größeren Städte Malaysias, ist in einem alten, glänzend weißen viktorianischen Bahnhofsgebäude untergebracht, das problemlos als Sitz des Parlaments, Gouverneurs o.ä. durchgehen könnte. Verbeamtete Eierköpfe wissen ja, wo es sich leben lässt. Während im Erdgeschoss die Züge fahren, kann man in der zweiten und dritten Etage mit etwas Fantasie das Leben eines weißen Raja führen. Man betritt also im Erdgeschoss, am rechten Flügel des Bahnhofs, einen uralten Aufzug, bei dem man Außen- und Innentür per Hand zuziehen muss, und fährt dann in gefühlten fünf Minuten fünf Meter nach oben. Oben angekommen betritt man eine Veranda, die selbst Carl Lewis nicht in weniger als 10 Sekunden abmessen würde. Geht man die Veranda herunter, befinden sich rechts die geräumigen, mit dunklem Parkett ausgelegten Zimmer, mit herrlich altmodischem Bad, links schweift der Blick über die Stadt.
Ich gebe zu: das klingt vielleicht etwas besser als es ist. Die Zimmer könnten eine Renovierung vertragen. Aber sie haben Flair, und für 88 Ringgit, ca. 20 Euros, Frühstück inklusive, kann man wahrlich nicht mehr verlangen. Sicher ist es der ideale Ort, um einfach nur zu rasten und den Schnupfen auszukurieren, den ich mir irgendwo zwischen den Klimaanlagen von Kuala Lumpur und dem Regen der Highlands eingefangen habe. Voici ein Foto:
Am nächsten Morgen setze ich mich dann ganz entspannt in den Zug nach Süden. Leider fährt der wegen Überschwemmungen im Süden des Landes nur bis Kuala Lumpur! Also umsteigen in den Regionalzug nach Seremban, dort ein Taxi zum Busbahnhof, ein Bus nach Malakka, ein Taxi vom dortigen Busbahnhof zu meinem Hotel – et voilà, es ist vollbracht, und ich bin an der letzten Station meiner Asienreise angekommen.
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